Microsoft Dynamics NAV läuft aus: Welche Optionen haben Unternehmen?

Carl Kruse, Iris Degen

Viele Unternehmen arbeiten seit Jahren erfolgreich mit Microsoft Dynamics NAV. Die Prozesse sitzen, die Anwender kennen ihr System und der Alltag läuft reibungslos. Umso mehr Fragen wirft die Ankündigung von Microsoft auf, die Wartungsverträge für Dynamics NAV zum 30. April 2031 zu beenden. 

2031 klingt zunächst weit weg. Wer heute noch mit NAV arbeitet, wird die Folgen aber bereits früher spüren. Denn der Abstand zum aktuellen Stand der Technik wächst von Jahr zu Jahr. In unserem Beitrag zeigen wir Ihnen, was die Abkündigung konkret bedeutet und wie Sie Ihren Umstieg mit ausreichend Vorlauf planen. 

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Zum 30. April 2031 beendet Microsoft die Verlängerung der NAV-Wartungsverträge. Auch als Bestandskunde können Sie dann keine zusätzlichen Lizenzen mehr kaufen. 
  • Für die letzte NAV Version 2018 endet der erweiterte Support bereits im Januar 2028. Danach gibt es keine Sicherheitsupdates mehr. 
  • Über Bridge to the Cloud 3 erhalten berechtigte Bestandskunden bis Ende 2027 30 % Rabatt auf Cloud-Lizenzen. 

Was bedeutet das Support-Ende für Dynamics NAV?

Ende Juli 2026 hat Microsoft den weiteren Fahrplan für Dynamics NAV veröffentlicht. Zum 30. April 2031 ändern sich drei Dinge: 
 

  • Microsoft beendet die Verlängerung der Service Plans, also des Enhancement Plans und des Advantage Plans. 
  • NAV-Subskriptionslizenzen laufen ohne Verlängerungsoption aus. 
  • Microsoft stellt den Verkauf zusätzlicher Perpetual-Lizenzen für bestehende NAV-Installationen ein. 

Das heißt konkret für Sie:

Ihr NAV-System läuft zunächst weiter. Wachsen kann es allerdings nur noch bis zum 30. April 2031, danach lassen sich keine Benutzer oder Objekte mehr hinzufügen. Auch neue Funktionen bekommt es keine mehr, denn Microsoft konzentriert die Weiterentwicklung auf Business Central. Wie ernst es Microsoft damit ist, zeigt der Support-Lebenszyklus. Selbst die letzte Version, Dynamics NAV 2018, erhält laut Microsoft nur noch bis Januar 2028 erweiterten Support. Danach gibt es auch keine Sicherheitsupdates mehr. 

Für Unternehmen stellt sich deshalb vor allem die Frage, wie lange NAV noch zur ERP-Strategie passt. Den Wechsel zu Business Central unterstützt Microsoft aktiv mit eigenen Migrationsprogrammen und Fördermaßnahmen. 

Welche Risiken entstehen beim Weiterbetrieb?

NAV-Lizenzen wachsen nicht mehr mit 
Für die meisten Unternehmen dürfte das der größte Knackpunkt sein. Stellen Sie sich vor, Ihr NAV-System läuft stabil und Ihr Unternehmen wächst. Neue Kolleginnen und Kollegen brauchen Zugriff auf das ERP-System, vielleicht kommt ein weiterer Standort dazu. Was heute eine routinemäßige Lizenzbestellung ist, wird nach dem 30. April 2031 zum Engpass, denn zusätzliche Benutzerlizenzen können Sie dann nicht mehr kaufen und NAV-Subskriptionen nicht mehr verlängern. 

Dazu kommt die fehlende Weiterentwicklung. Für NAV heißt das konkret: 

  • Der Funktionsumfang bleibt, wie er ist. 
  • Copilot und KI-Agenten bleiben Business Central vorbehalten. 
  • Microsofts strategische Investitionen fließen in die Nachfolgelösung. 

Microsoft verfolgt eine klare Cloud-Strategie
Die Entwicklung betrifft mehr als NAV. Microsoft Dynamics 365 Business Central ist der offizielle Nachfolger, und die On-Premises-Variante gibt es aktuell weiterhin. Langfristig setzt Microsoft jedoch klar auf Cloud-Lösungen. Ein deutliches Signal dafür: Copilot steht laut Microsoft ausschließlich in Business Central online zur Verfügung, also in der Cloud-Variante. 

Die Modernisierung wird schwieriger
Viele neue Microsoft-Innovationen erscheinen ausschließlich für Business Central. Mit jedem Release wächst damit der Abstand zwischen NAV und dem, was moderne ERP-Systeme heute leisten. Unternehmen sollten deshalb prüfen, ob ihre bestehende Lösung künftige Anforderungen an Digitalisierung, Automatisierung und KI überhaupt noch abdecken kann. 

Welche Auswirkungen die Abkündigung für Ihr Unternehmen hat und worauf Sie jetzt achten sollten, hängt von Ihrer Ausgangslage ab: 
 

Ihre Situation  Was Sie jetzt prüfen sollten 
Ihr NAV-System läuft stabil und Ihr Unternehmen wächst kaum.  Prüfen Sie, wie lange Sie NAV unter Berücksichtigung des Support-Endes und möglicher Sicherheitsrisiken noch betreiben können. 
Neue Mitarbeitende oder Standorte kommen hinzu.  Klären Sie, ob Ihre vorhandenen Lizenzen ausreichen und wie sich Ihr Lizenzbedarf bis 2031 entwickeln wird. 
KI und Automatisierung werden wichtiger.   Prüfen Sie, welche Anforderungen sich mit NAV noch umsetzen lassen und wo Business Central zusätzliche Möglichkeiten bietet. 
Sie möchten Ihre ERP-Landschaft langfristig modernisieren.  Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre bestehenden Anpassungen, Schnittstellen und mögliche Migrationswege. 

Muss jedes Unternehmen sofort migrieren?

Die kurze Antwort lautet Nein. Die längere hängt davon ab, wo Ihr Unternehmen heute steht und wohin es sich entwickeln will. 

Grundsätzlich haben NAV-Kunden drei Möglichkeiten: 

NAV vorerst weiterbetreiben: möglich, solange Lizenzen und Funktionsumfang ausreichen. Ab 2028 fehlen allerdings die Sicherheitsupdates. 

Auf Business Central online wechseln: Hier stehen Copilot und die neuesten Funktionen zur Verfügung, und Bridge to the Cloud 3 fördert den Umstieg. 

Auf Business Central On-Premises wechseln: Das ist aktuell weiterhin möglich, allerdings ohne Copilot. Langfristig stellt sich dann die Cloud-Frage erneut. 
 


Welche Option zu Ihnen passt, zeigen vier typische Szenarien. 

Szenario 1: Ihr NAV-System läuft stabil und Ihr Unternehmen verändert sich kaum 
Ihre Mitarbeiterzahl bleibt konstant, die Prozesse sind eingespielt und größere Digitalisierungsprojekte stehen gerade nicht an? Dann können Sie NAV durchaus noch eine Zeit lang betreiben. 

Trotzdem lohnt es sich, die langfristige ERP-Strategie schon heute zu planen. Auch ohne akuten Migrationsbedarf profitieren Sie von einem frühzeitigen Fahrplan. Unsere Erfahrung zeigt: ERP-Modernisierungen gelingen deutlich besser, wenn Unternehmen sie aus einer strategischen Entscheidung heraus angehen und ausreichend Vorlauf einplanen. 

Gesetzliche Anforderungen entwickeln sich allerdings auch dann weiter, wenn Ihr Unternehmen zunächst bei NAV bleibt. Themen wie E-Rechnungen, die Prüfbarkeit digitaler Dokumente nach GoBD (früher GDPdU), die elektronisch unterstützte Betriebsprüfung (euBP) oder die Zusammenfassende Meldung (ZM) in aktuellen Formaten bildet Business Central in aktuellen Versionen ab. In NAV sind dafür zusätzliche Anpassungen nötig. 

Szenario 2: Ihr Unternehmen wächst 
Sobald neue Mitarbeitende oder zusätzliche Standorte ins Spiel kommen, wird die fehlende Erweiterbarkeit der NAV-Lizenzen zur echten Hürde. 

Ein Beispiel: Ein Unternehmen mit 80 Mitarbeitenden wächst innerhalb von drei Jahren auf 120. Solange das NAV-System dabei unverändert bleiben kann, läuft alles wie gewohnt. Braucht das Unternehmen aber zusätzliche Benutzerlizenzen, gründet es neue Gesellschaften oder wächst die Organisation in die Breite, spielt die NAV-Abkündigung plötzlich eine zentrale Rolle. 

Szenario 3: Digitalisierung und KI stehen auf der Agenda 
Sie möchten Prozesse stärker automatisieren und KI gezielt im Arbeitsalltag einsetzen? Oder planen Sie, moderne Cloud-Services zu nutzen? Auch bestehende NAV-Systeme lassen sich durch individuelle Lösungen erweitern. Microsoft entwickelt neue KI-Funktionen wie Copilot jedoch für Business Central online. Wer diese Möglichkeiten nutzen möchte, sollte deshalb prüfen, wann ein Umstieg sinnvoll ist. 

Szenario 4: Ihre ERP-Landschaft soll langfristig zukunftssicher werden 
Hier lohnt sich ein Blick über NAV hinaus. Die Entwicklung rund um NAV ist kein Einzelfall: Microsoft verfolgt seit Jahren eine konsequente Cloud-Strategie und investiert vor allem in Cloud-Dienste und KI-Funktionen. 

Business Central lässt sich aktuell noch On-Premises betreiben. Die Produktstrategie zeigt allerdings klar, wohin die Reise geht. Die Frage nach der künftigen ERP-Landschaft erreicht deshalb langfristig auch Unternehmen, die heute Business Central On-Premises einsetzen. 

Daraus ergibt sich ein klares Bild: NAV-Kunden sollten ihren Umstieg jetzt planen. Und auch wer Business Central On-Premises nutzt, tut gut daran, die eigene Strategie auf den Prüfstand zu stellen. 

Der richtige Zeitpunkt für die Migration

Wann der Umstieg für Sie passt, bestimmen Ihre Ziele und Ihre Ausgangslage. Diese fünf Fragen helfen Ihnen, Klarheit zu gewinnen: 
 

  1. Welche NAV-Version setzen wir heute ein? 
  2. Welche Individualentwicklungen sind für uns geschäftskritisch? 
  3. Werden wir in den nächsten Jahren zusätzliche Benutzer benötigen? 
  4. Welche Rolle spielen KI und Automatisierung in unserer Strategie? 
  5. Wann möchten wir die nächste größere ERP-Transformation angehen? 

Besonders wichtig ist dabei ein genauer Blick auf Ihre bestehende NAV-Umgebung. Individuelle Anpassungen, Schnittstellen und die Qualität der vorhandenen Daten beeinflussen, wie aufwendig eine Migration wird. Wer diese Faktoren frühzeitig prüft, kann den Wechsel realistischer planen und mögliche Herausforderungen rechtzeitig erkennen. 

Je klarer Ihre Ausgangslage und Ihre Anforderungen sind, desto gezielter lässt sich der Wechsel planen. Welcher Migrationsweg zu Ihrer NAV-Version passt – Upgrade, Neustart oder eine Kombination aus beidem –, beschreiben wir ausführlich in unserem Beitrag Migration in die Cloud: Von Microsoft Dynamics NAV auf Microsoft Dynamics 365 Business Central.

Bridge to the Cloud 3: Rückenwind für den Umstieg

Für Unternehmen, die ihre ERP-Zukunft bereits heute planen, hat Microsoft mit Bridge to the Cloud 3 ein Förderprogramm aufgelegt. Teilnahmeberechtigte Bestandskunden erhalten 30 % Rabatt auf ihre Dynamics-365-Cloud-Lizenzen, und zwar über die gesamte Laufzeit eines dreijährigen Vertrags. Das Programm läuft bis Ende 2027 und kann den Umstieg auf Business Central wirtschaftlich deutlich attraktiver machen.

  • 30 % Rabatt auf Cloud-Lizenzen für drei Jahre 
  • Einstieg bis zum 31. Dezember 2027 möglich 
  • Dual Use Rights: Ihr lokales System darf während der Migration parallel weiterlaufen, das erleichtert einen schrittweisen Umstieg 
  • Bonus für NAV-Kunden im Concurrent-User-Modell: Wer zu Business Central online wechselt, erhält zusätzliche kostenlose Nutzer. Ihre Zahl richtet sich nach dem Wert des Enhancement Plans, und sie stehen für höchstens zwei Jahre zur Verfügung. 

Teilnehmen können Bestandskunden, deren On-Premises-Lizenzen vor dem 1. September 2024 gekauft wurden. Ist Ihr Enhancement Plan ausgelaufen, ist eine Teilnahme trotzdem möglich, unter Umständen allerdings mit einer Nachzahlung. Alle Bedingungen im Detail lesen Sie in unserem Beitrag Bridge to the Cloud 3: Beliebte Promotion noch einmal verlängert.

Fazit: NAV läuft weiter, die Zukunft gehört Business Central

Mit dem Ende der Wartungsverträge endet Dynamics NAV nicht von heute auf morgen. Die Ankündigung macht jedoch deutlich, wo Microsoft die Zukunft seiner ERP-Lösungen sieht: in Business Central und in der Cloud. Wer wächst, neue Technologien nutzen möchte oder seine ERP-Landschaft modernisieren will, sollte die kommenden Monate nutzen und die eigene Strategie planen. Programme wie Bridge to the Cloud 3 schaffen dafür gerade besonders attraktive Rahmenbedingungen. 

Ihr Fahrplan von NAV zu Business Central
Sie möchten wissen, wo Ihr NAV-System heute steht und welcher Weg zu Ihnen passt? Sprechen Sie uns an. Gemeinsam analysieren wir Ihr System und Ihre Anforderungen und prüfen, ob Sie an Bridge to the Cloud 3 teilnehmen können. Nutzen Sie dazu gerne unser Kontaktformular. 

FAQ

Ab dem 30. April 2031 können NAV-Kunden ihre Service Plans (Enhancement Plan und Advantage Plan) sowie NAV-Subskriptionslizenzen nicht mehr verlängern. Zusätzliche Perpetual-Lizenzen verkauft Microsoft ab dann nicht mehr. Bestehende Systeme laufen weiter, Microsoft konzentriert die Weiterentwicklung aber auf Business Central. 

Bis zum 30. April 2031 ist das noch möglich. Danach lassen sich bestehende NAV-Installationen nicht mehr um zusätzliche Perpetual-Benutzerlizenzen erweitern. Unternehmen, die wachsen wollen, sollten diesen Punkt frühzeitig in ihre Planung einbeziehen. 

Ein Abschaltdatum gibt es nicht, Ihr NAV-System läuft auch nach 2031 weiter. Beachten Sie jedoch den Support-Lebenszyklus: Für die letzte Version, Dynamics NAV 2018, endet der erweiterte Support laut Microsoft im Januar 2028, für ältere Versionen bereits früher. Danach liefert Microsoft keine Sicherheitsupdates mehr. 

Ihr System bleibt auf dem Stand, den es zu diesem Zeitpunkt hat. Lizenzen lassen sich dann weder verlängern noch erweitern. Neue Funktionen sowie Innovationen wie Copilot und KI-Agenten entwickelt Microsoft für Business Central. 

Bridge to the Cloud 3 ist ein Förderprogramm von Microsoft für Bestandskunden mit On-Premises-Lösungen. Teilnahmeberechtigte Unternehmen erhalten beim Wechsel in die Cloud 30 % Rabatt auf Dynamics-365-Online-Lizenzen über einen festen Dreijahresvertrag. Das Programm läuft vom 1. Januar 2026 bis zum 31. Dezember 2027. 

Ja, Business Central lässt sich aktuell weiterhin On-Premises betreiben. Microsoft setzt strategisch allerdings klar auf die Cloud. Copilot steht beispielsweise ausschließlich in Business Central online zur Verfügung.

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