KI in Dynamics 365 Finance & SCM: Wie Copilot und Agenten den ERP-Alltag verändern

Ruben Heinrich , Iris Degen

Alle reden davon: KI ist das Thema Nummer 1, auch in Unternehmen. Und über kurz oder lang taucht schließlich die Frage auf: Wie können wir die künstliche Intelligenz sinnvoll nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
Was viele in diesem Moment nicht wissen: Sie haben bereits etwas getan, es ist ihnen nur nicht bewusst. Denn wenn Sie in Ihrem Unternehmen Microsoft Dynamics 365 Finance & Supply Chain Management einsetzen, nutzen Sie bereits KI im ERP-System, ohne es direkt wahrzunehmen. Copilot und erste KI-Agenten sind bereits integriert und unterstützen im Hintergrund Prozesse, Auswertungen und Entscheidungen.


Doch was steckt konkret hinter Copilot und KI-Agenten? Und welchen Mehrwert bringen sie im Arbeitsalltag?

Welche KI-Funktionen bietet Microsoft Dynamics 365 Finance & Supply Chain Management bereits heute?

Lange war ein ERP-System vor allem eines: ein Ort, an dem Daten landen. Rechnungen werden erfasst, Bestellungen angelegt, Abschlüsse vorbereitet. Zuverlässig, aber passiv. Auswertungen, Analysen und Entscheidungen blieben am Menschen hängen. An einigen Stellen mag das sicherlich sinnvoll, an anderen wiederum manuell aufwendig sein. Das ändert sich gerade grundlegend. Microsoft hat Dynamics 365 Finance & Dynamics 365 Supply Chain Management zuletzt konsequent mit KI-Funktionen ausgestattet. Zu den zentralen KI-Funktionen gehören heute unter anderem:

  • ein Assistent, der Ihre Mitarbeitenden durch das System führt,
  • intelligente Zusammenfassungen, die komplexe Daten in Sekunden auf das Wesentliche reduzieren und
  • erste autonome Agenten, die Routineaufgaben selbstständig erledigen.

So kann sich Ihr Team in dieser Zeit auf die Aufgaben konzentrieren, die wirklich Mehrwert schaffen.

Wie sich diese Entwicklung in den aktuellen Releases konkret fortsetzt und welche neuen Funktionen Microsoft plant, zeigen wir in unserem Beitrag zur Release Wave 1 2026 in Dynamics 365 Supply Chain Management.


Was ist der Unterschied zwischen Copilot und KI-Agenten in Dynamics 365?

Wenn von KI im ERP-System die Rede ist – konkret in Dynamics 365 – fallen schnell zwei Begriffe: Copilot und KI-Agenten. Sie klingen ähnlich, funktionieren aber grundlegend anders.

Copilot – der KI-Assistent an Ihrer Seite

Stellen Sie sich Copilot wie einen erfahrenen Kollegen vor, der immer neben Ihnen sitzt. Er beantwortet Fragen, erklärt Prozesse und hilft, das System effizienter zu nutzen – aber er handelt nur, wenn Sie ihn ansprechen. Ein neuer Mitarbeitender in der Buchhaltung kann einfach fragen: „Wie buche ich eine Gutschrift?" und bekommt die Antwort kontextbezogen, präzise und direkt im System. Copilot ersetzt damit in vielen Fragestellungen Ihr klassisches Handbuch und ist ein aktiver Begleiter im Arbeitsalltag: immer verfügbar, nie aufdringlich und immer im jeweiligen Thema.

KI-Agenten – die autonome Stufe

KI-Agenten gehen einen entscheidenden Schritt weiter. Sie warten nicht auf eine Frage, sie handeln selbstständig. Ein Agent überwacht zum Beispiel das E-Mail-Postfach auf eingehende Lieferantenrechnungen, liest die Inhalte aus und erstellt automatisch einen Rechnungsentwurf im System. Ihre Mitarbeitenden prüfen, entscheiden und geben frei. Die repetitive Arbeit davor übernimmt die KI.

Der entscheidende Unterschied: Copilot unterstützt Ihre Mitarbeitenden im Arbeitsprozess, während KI-Agenten eigenständig im Hintergrund arbeiten und operative Aufgaben vorbereiten oder automatisieren.

Copilot in der Praxis: Diese KI-Funktionen im ERP sind heute schon nutzbar

Theorie ist das eine, Praxis das andere. Deshalb schauen wir uns konkret an, welche KI-Funktionen in Dynamics 365 Finance & Supply Chain Management heute bereits nutzbar sind.
 

Copilot Sidecar: Das ERP per Sprache bedienen

Dynamics 365 ist ein mächtiges System. Wer neu damit arbeitet oder seltenere Funktionen benötigt, verliert schnell Zeit mit Suchen und Nachfragen. Das Copilot Sidecar ist dafür ein hilfreiches Feature.

Es erscheint als KI-Assistent am rechten Bildschirmrand und ist immer verfügbar, ohne den eigentlichen Arbeitsbereich zu unterbrechen. Nutzer stellen ihre Fragen in natürlicher Sprache: „Wie lege ich einen neuen Lieferanten an?" oder „Wo finde ich überfällige Zahlungen?" Copilot durchsucht die offizielle Microsoft-Dokumentation, versteht den Kontext der aktuellen Seite und liefert eine präzise Antwort direkt im ERP-System.


Ein Bereich, in dem das in der Praxis besonders spürbar wird, ist das Onboarding neuer Mitarbeitender. Wer neu in der Buchhaltung oder im Einkauf beginnt, kann Fragen direkt im System stellen, statt Kollegen zu unterbrechen oder im Handbuch zu suchen. Die Einarbeitungszeit verkürzt sich messbar durch weniger Rückfragen im Team und eine schnellere Navigation im System.

Ein wichtiger Hinweis für IT-Verantwortliche: Das Sidecar basiert auf der Standard-Microsoft-Dokumentation. Bei stark individualisierten Systemen – also eigenen Feldern, angepassten Workflows oder Drittanbieter-Lösungen – kennt der Copilot diese Anpassungen nicht und stößt entsprechend an Grenzen. Für Standard-Prozesse funktioniert er zuverlässig, für hochgradig konfigurierte Umgebungen ist er ein ergänzendes Werkzeug, kein vollständiger Ersatz für interne Dokumentation.

Technisch ist das Sidecar vollständig vom ERP-Frontend entkoppelt. Microsoft kann die KI-Funktionen also kontinuierlich verbessern und erweitern, ohne dass dafür ein ERP-Update notwendig wird. Für IT-Leiter ist das ein wichtiges Detail, denn die KI entwickelt sich weiter, ohne die Stabilität des laufenden Systems zu gefährden.

Workflow History Summary: Genehmigungsprozesse auf einen Blick

Genehmigungsprozesse gehören zum Alltag in jedem Unternehmen, kosten jedoch erstaunlich viel Zeit. Um die Informationen über alle vorangegangenen Prozessschritte zu erhalten, scrollen Ihre Mitarbeitenden oft endlos durch die entsprechenden Datensätze.   

Die Workflow History Summary erledigt das automatisch. Copilot analysiert die gesamte Genehmigungshistorie eines Vorgangs und fasst sie in wenigen Sätzen zusammen. Statt seitenweise Protokoll liest der Nutzer eine knappe, verständliche Zusammenfassung und kann sofort weiterarbeiten. Besonders für Führungskräfte, die täglich mehrere Freigabeentscheidungen treffen, ist das ein echter Zeitgewinn.

Immersive Home: Die KI-gesteuerte Startseite

Der erste Blick im ERP-System fällt meist auf das Dashboard. Dieses wird nun durch Immersive Home ergänzt: einer neuen KI-gestützten Startseite, die die klassische Datenansicht in ein aktives Entscheidungszentrum verwandelt.

Die KI analysiert Ihre Rolle, Ihre häufigen Aktionen und laufende Agenten-Aktivitäten und priorisiert daraus die relevantesten Aufgaben für den aktuellen Moment. Offene Freigaben, kritische Hinweise und Empfehlungen sind an einem zentralen Ort gebündelt, ohne dass manuell in unterschiedlichen Modulen gesucht werden muss.

KI-Summaries: Daten verstehen, nicht nur sehen

Dynamics 365 speichert eine enorme Menge an operativen Daten. Diese Daten zu lesen ist eine Sache, sie zu verstehen eine andere. Copilot-Summaries schließen hier die Lücke.

Die KI analysiert live Daten aus dem System und erstellt kontextbezogene Zusammenfassungen für Kunden, Lieferanten, Produkte, Journale und Bestellungen. Im Collections-Workspace zum Beispiel sieht der Sachbearbeiter Zahlungshistorie, überfällige Posten, Risikobewertung und konkrete Mahnempfehlungen auf einen Blick, ohne eine einzige Abfrage zu erstellen. Genauso kann ein Einkäufer vor einem Lieferantengespräch in Sekunden auf eine Zusammenfassung aus Bestellhistorie, Liefertreue, offenen Rechnungen und Reklamationen zugreifen – alles an einem Ort, direkt im System. Das reduziert Suchaufwand und beschleunigt Entscheidungen im Arbeitsalltag.

Der besondere Unterschied zu einem klassischen Bericht: Copilot interpretiert die Daten, statt sie nur abzubilden und liefert damit echte Entscheidungsgrundlagen.

Ein Hinweis, der in der Praxis relevant ist: Die Qualität der Zusammenfassungen hängt direkt von der Qualität der zugrundeliegenden Daten ab. Unvollständige Stammdaten oder inkonsistente Buchungshistorien produzieren unvollständige Summaries. Wer weiß, dass die eigene Datenbasis Lücken hat, sollte das vor dem Einsatz adressieren. Die KI kann nur zusammenfassen, was im System vorhanden ist.

Anomalieerkennung in Dynamics 365: Probleme erkennen, bevor sie entstehen

Es gibt Probleme, die man bereits frühzeitig erkennt, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Im ERP-System sind die Signale dafür meist vorhanden, gehen jedoch in der Datenflut unter. Hier übernimmt Copilot die Rolle eines aufmerksamen Beobachters.

Er erkennt beispielsweise ungewöhnliche Buchungsmuster in Journalen, identifiziert Risiken in Picking-Prozessen und Lagerworkloads und meldet, wenn Nachfragespitzen auf historischen Daten und Saisonalität hinweisen. Das geschieht in Echtzeit und ohne manuellen Aufwand. So analysiert die KI kontinuierlich im Hintergrund und macht Auffälligkeiten sichtbar, bevor sie zum echten Problem werden.

Konkret erkennt Copilot zum Beispiel Buchungen außerhalb regulärer Arbeitszeiten, untypisch hohe Einzelbeträge bei bestimmten Kreditoren oder Abweichungen von saisonalen Mustern. Das sind Signale, die im Tagesgeschäft leicht übersehen werden, aber auf Datenfehler oder Unstimmigkeiten hinweisen können.

Gerade für Unternehmen, die regelmäßig Wirtschaftsprüfungen durchlaufen, hat das einen praktischen Nebeneffekt: Wer Auffälligkeiten frühzeitig erkennt und nachvollziehbar dokumentiert, hat beim nächsten Prüftermin deutlich weniger Erklärungsbedarf.

Welche KI-Agenten gibt es bereits in Microsoft Dynamics 365 Finance & Supply Chain Management?

Die ersten autonomen KI-Agenten sind bereits in Dynamics 365 verfügbar oder befinden sich in der produktionsbereiten Vorschau. Sie bereiten vor, strukturieren und erledigen, während finale Entscheidungen weiterhin bei Ihren Mitarbeitenden liegen.

Für Microsoft Dynamics 365 Finance steht mit dem Account Reconciliation Agent ein KI-Agent bereit, der die Kontenabstimmung kontinuierlich automatisiert und Unstimmigkeiten frühzeitig sichtbar macht. Wie genau der Agent funktioniert und welche Auswirkungen er auf den Abschlussprozess hat, zeigen wir im Detail in unserem Beitrag zum Account Reconciliation Agent.

Auch im Bereich Supply Chain Management gibt es mit dem Supplier Communications Agent bereits einen praxisnahen Anwendungsfall. Er übernimmt die Kommunikation mit Lieferanten, verarbeitet eingehende E-Mails und bereitet Änderungen direkt im System zur Prüfung vor. Wie sich dadurch der Arbeitsalltag im Einkauf verändert, erfahren Sie in unserem Beitrag zum Supplier Communications Agent.

Fazit: Vom ERP zum KI-gestützten Entscheidungswerkzeug

Wenn heute alle von KI sprechen, ist die Frage nicht mehr, ob KI in Ihr Unternehmen gehört. Sie ist bereits da. Die Frage ist, ob Sie sie auch nutzen.

KI im ERP-System ist damit kein Zukunftsversprechen mehr, sondern Realität. Copilot und KI-Agenten machen Microsoft Dynamics 365 Finance & Supply Chain Management zu einem Werkzeug, das aktiv mitdenkt, priorisiert und entlastet. Intelligente Zusammenfassungen, Anomalieerkennung und autonome Agenten sorgen dafür, dass Routineaufgaben automatisiert werden, Entscheidungen schneller getroffen werden können und Ihr Team sich auf die Aufgaben konzentriert, die wirklich Mehrwert schaffen.

Das Potenzial ist in Ihrem System bereits vorhanden. Es wartet darauf, genutzt zu werden. Besonders für mittelständische Unternehmen entsteht der größte Mehrwert dort, wo KI gezielt an operativen Engpässen ansetzt – etwa in der Buchhaltung, im Einkauf oder in der Analyse von Unternehmensdaten.

Wenn Sie mehr über die KI-Funktionen in Ihrem Microsoft Dynamics ERP erfahren wollen, kontaktieren Sie uns gerne über unser Kontaktformular und wir schauen gemeinsam, wo ungenutztes Potential liegt.

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