8 ERP- und CRM-Trends für das Jahr 2020

Ali-Reza Bayat, Marco Niecke

Ob Künstliche Intelligenz, DevOps, Lifecycle Management oder Process-Mining: Viele IT-Themen waren im vergangenen Jahr in aller Munde. Als umsetzungsorientiertes Software- und Beratungshaus haben wir unser Ohr immer am Puls der Zeit.

In diesem Blogbeitrag möchten wir Ihnen die 8 wichtigsten ERP- und CRM-Trends aufzeigen, mit denen sich IT-Leiter und ERP-Verantwortliche im Jahr 2020 auseinandersetzen sollten. 

 

1. Künstliche Intelligenz (KI)

Künstliche Intelligenz, das eigenständige Lernen von Maschinen und Software war das zentrale Thema des Wissenschaftsjahres 2019 – und ist längst mehr wie nur Zukunfts-Spielerei. Auch bei Business Lösungen wie ERP und CRM rückt KI immer stärker in den Fokus und wird in 2020 für zahlreiche Neuerungen sorgen.

Zwei Anwendungsgebiete, in denen KI in Business Lösungen vorangetrieben wird sind Mustererkennung und Prozess-Management.

 

1.1. Mustererkennung

KI ist prädestiniert, Muster in großen Datenmengen eigenständig zu erkennen und intelligente Rückschlüsse zu ziehen. Durch das Analysieren Ihrer Vergangenheitsdaten optimieren Sie so zum Beispiel Ihren Vertrieb und können Ihren Verkaufsprozess effizienter und zielführender gestalten. Da die Daten aus allen erdenklichen Blickwinkeln betrachtet und miteinander in Bezug gebracht werden, bleiben Ihnen keine Muster verborgen – und möglicherweise bekommen Sie dank KI ganz neue Ideen und Erfolgsstrategien an die Hand.

Hier könnte ein mögliches Ergebnis sein:

  • Uhrzeit und Wetter spielen eine Rolle für bestimmte Verkäufe in bestimmten Regionen
  • Basierend auf Ihrem Nutzerverhalten (auf einer Website oder über mehrere Webseiten hinweg) bekommen Sie vollautomatisiert ein individuelles Angebot
  • Anomalien in Maschinendaten werden frühzeitig erkannt und mögliche technische Probleme dadurch frühzeitig behoben (Predictive Maintainance)
  • Basierend auf vergangenen Verkäufen kennt Ihr CRM die Kaufwahrscheinlichkeit und gibt die erfolgversprechendsten Empfehlungen und nächsten Schritte (Sales Insights)

1.2. Prozess-Management / Process-Mining

Durch eine Analyse sämtlicher aktueller und vergangener Geschäftsdaten erfasst die KI auch sämtliche Prozesse und Aktionen rund um Ihr ERP- und CRM-System. Für neue Prozesse, Szenarien und Herausforderungen kann dann aus einer umfassenden Datenbank aus Wissen und Erfahrung geschöpft werden. Die KI denkt vorausschauend mit und liefert Vorschläge, mit deren Hilfe Sie unter anderem vorhandene Geschäftsprozesse optimieren und automatisieren können.

Mögliche Vorteile von Process Mining sind bzw. können sein:

  • Anschauliche Visualisierung und die strukturierte Aufbereitung der tatsächlichen im Unternehmen ablaufenden Prozesse, insbesondere die Darstellung von Prozessvarianten und die Abweichungen vom Soll-Prozess (Happy Path)
  • Analyse von Schwächen, Anomalien und Systembrüchen innerhalb Ihrer Prozessketten durch KI und Machine Learning
  • Eigenständiges erkennen von Prozessvarianten, Optimierungsmöglichkeiten und neuen Workflows

 

2. Intelligente Auswertungen

Intelligente Auswertungen werden immer wichtiger, egal ob Auswertungen innerhalb Ihres ERP-Systems oder über unterschiedliche Anwendungen, Datensätze und Datenquellen hinweg. Schon längst haben Dashboards die traditionellen (Excel-)Listen in der Datenanalyse ersetzt. Und Dashboards werden immer benutzerfreundlicher, intuitiver und individueller und sind auch für den „einfachen Nutzer“ ganz leicht selbst zu erstellen.

Ohne Programmierkenntnisse kann sich beispielsweise jeder Nutzer in Microsoft Dynamics 365 unterschiedliche Dashboards konfigurieren und hier Daten intelligent verknüpfen. Mit dem Dienst Power BI, der neben Microsoft auch von anderen ERP-Herstellern genutzt wird, werden die Daten der unterschiedlichen Quellen (z.B.: Google-Analytics, Adobe, Facebook etc.) zusammengeführt.

Auch hier kommt wieder die KI (siehe Trend 1) ins Spiel, denn eine Abfrage beschränkt sich dann nicht nur auf Zahlen und Daten, die man explizit ausgewertet haben möchte – sondern es werden gleichzeitig Informationen und Zusammenhänge angeboten, die den Nutzer vermutlich auch interessieren werden.

3. Low-Code / No-Code

Nicht immer lassen sich bei ERP-Systemen im Standard alle Prozesse eines Unternehmens abbilden. Früher wurde dann das System den Wünschen des Kunden angepasst, in dem die geforderten Änderungen klassisch programmiert wurden. Meist mussten Schnittstellen entwickelt und ins System implementiert werden. Dies ist immer noch Praxis, doch der Trend geht in eine andere Richtung.

Unter dem griffigen Slogan „No-Code / Low-Code“ wird bei Microsoft die Möglichkeit bezeichnet, Prozesslücken zu schließen und dabei (fast) keine Zeile neuen Code schreiben zu müssen. Vor allem bei komplexen Projekten, bei denen viele Daten zusammenlaufen, beschleunigt dies das Vorankommen enorm und spart Kunden und Beratern unnötigen Arbeits- und Entwicklungsaufwand – und damit viel Zeit und Geld.

Bei Microsoft sorgen die Power Platform in Verbindung mit dem Common Data Service (CDS) für das Schließen von Prozesslücken ohne Programmieren. Mehr hierzu finden Sie auch auf unserem Blog: https://www.inway.de/inway-systems-blog/posts/einsatz-und-moeglichkeiten-von-common-data-service-und-powerapps-in-microsoft-dynamics-365/

 

4. Vorgefertigte Integrationen

Ob Daten von Maschinen (Industrie 4.0, M2M) oder von Drittanbietern wie Facebook, LinkedIn, Adobe etc.: Die Quellen, aus denen Unternehmen Ihre Daten (oder Lösungen) beziehen, werden immer vielfältiger. All diese Daten zentral an einer Stelle zu vereinen – z.B. dem eigenen CRM-System – war lange Zeit sehr aufwändig. Entweder mussten die Daten manuell (in bestimmten Intervallen) aufwändig exportiert, bearbeitet und danach wieder importiert werden, oder es musste eine Schnittstelle entwickelt werden. Im Rahmen von Low-Code / No-Code wird letzteres zwar immer einfacher, aber parallel zu diesem Trend gibt es noch einen weiteren: Die Bereitstellung von vorgefertigten Integrationen und Connectoren durch die ERP-Hersteller selbst.

 

 

Bei Microsoft Dynamics 365 beispielsweise gibt es im Zusammenspiel mit dem Commen Data Services Connectoren in über 230 Lösungen anderer Anbieter – und es kommen kontinuierlich neue hinzu. Wann immer Sie Daten eines anderen Systems zentral in Ihrem Dynamics 365 haben wollen, lässt sich dies über einen vorgefertigten Connector sehr bequem und zeitsparend lösen. Datenintegrationsprojekte Lassen sich hiermit signifikant verkürzen.

 

5. Reduce to the max beim mobilen Arbeiten

Vom Trend hin zum mobilen Arbeiten spricht man gefühlt schon über 10 Jahren: Alles muss jederzeit auch mobil verfügbar sein. Stimmt, aber der Trend gilt ungebrochen auch bei Business Lösungen. Da moderne ERP-Systeme auf einem webbasierten Frontend laufen – und immer häufiger als Software as a Service (SaaS) angeboten werden – ist ein mobiler Zugriff auf ERP und CRM sowieso überall gegeben. Doch alle Funktionalitäten des ERP- oder CRM-Systems bzw. eines einzelnen Moduls als App hätten wenig Sinn. „Reduce to the Max“ heißt hier der Trend fürs mobile Arbeiten mit Business Lösungen.

So gibt es bei Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations zahlreiche „Kleinstanwendungen“ (kleine abgeschlossene Funktionseinheiten) die sich Mitarbeiter als App auf Ihrem Smartphone oder Tablet installieren können. Über diese Apps werden dann Arbeitsschritte gesteuert wie z.B.

  • Mobile Zeiterfassung und Spesenabrechnung: Beispielsweise für den Außendienstmitarbeiter oder dem Kundenservice, der direkt nach einem Kundentermin mobil Stunden, Artikel und Ausgaben, Anreise- und ggfs. Übernachtungskosten auf ein entsprechendes Projekt oder einen Kunden buchen kann.
  • Mobile Fragebögen und Checklisten: Beispielsweise für Mitarbeiter der Qualitätssicherung bei ihrem Rundgang durch einzelne Verkaufsfilialen.


Aber auch mobile Freigabeprozesse oder selbst eingerichtete Dashboards mit vorgefertigten Auswertungen sind als App möglich. Diese Apps sind dann beispielsweise fürs viel reisende Management – um jederzeit die aktuelle Entwicklung im Blick zu haben und um Freigaben nicht unnötig in die Länge zu ziehen.

 

Wichtig bei diesem Trend: Die Apps beinhalten nicht mehr alle Funktionalitäten, die das ERP-System für diese Prozesse hergibt, sondern zeigen alle notwendigen Felder, damit sich dieser Arbeitsschritt auch mobil schnell und einfach erledigen lässt.
 

6. Lösungen aus der Cloud

Auch dieser Trend klingt uralt – ist er aber nicht. Anders als noch vor ein / zwei Jahren ist das Hosten der zentralen Unternehmensdaten in „irgendeinem Rechenzentrum“ heute kein Tabu mehr. Auch wir merken diesen Einstellungswandel deutlich. Im Vergleich zum Vorjahr sind Microsoft Dynamics 365 On Premises-Projekte rückläufig – während Cloud-Projekte im gleichen Maße zunehmen.

Vor allem die Tatsache, dass Unternehmen heute – einfacher denn je – Teil-Lösungen für Spezialservices aus der Cloud beziehen können ohne vorher umfangreiches Know-How aufbauen oder gar Infrastruktur und Software beschaffen zu müssen, unterstützt diese Entwicklung. Dies ist nicht zuletzt die Voraussetzung um die Geschwindigkeit, die die Digitalisierung erfordert, „auf die Straße zu bringen“.

Auch Microsoft selbst hat diesen Trend stark befeuert.

  • Durch eine neue Cloud-Strategie für Deutschland, bei der Kunden ab sofort beides haben können: lokale Datenverarbeitung (nach strengen, deutschen Compliance-Richtlinien) bei gleichzeitiger Anbindung an das weltweite Cloud-Netzwerk von Microsoft – mit Zugriff auf alle Dienste.
  • Durch die Bereitstellung von Microsoft Dynamics 365 Business Central (NAV) aus der Cloud. Damit bietet Microsoft eine weitere ERP-Lösung im SaaS-Modell.

 

Einen Überblick über die Vorteile der Cloud und warum diese im Vergleich zu On-Premises Lösungen deutlich sicherer ist, finden Sie ebenfalls auf unserem Blog: https://www.inway.de/inway-systems-blog/posts/warum-loesungen-aus-der-cloud-sicherer-sind/

Einen Vergleich von Microsoft Dynamics 365 und Business Central finden Sie hier auf unserem Blog: https://www.inway.de/inway-systems-blog/posts/finance-and-operations-vs-business-central/

 

7. CALM

Hinter dem Akronym CALM (Continuous application lifecycle management) verbirgt sich mehr als nur ein Trend – hier kündigt sich ein echter Paradigmenwechsel an.

Die Grundidee: Ähnlich wie bei Windows 10 soll es auch bei Business Software wie ERP und CRM keine Versionen mehr geben. Auf monats- bzw. zweimonatsbasis werden Updates und neue Features dann automatisch ins ERP- und CRM-System eingespielt und Kunden und Partner müssen nicht mehr aktiv werden. Das Produkt bleibt aktuell – „Evergreen“ – und wird schnell immer besser.

Mit Dynamics 365 geht Microsoft diesen Weg bereits und verabschiedete sich damit von seinem ca. 3-jährigen Versionszyklus. Denn oftmals waren Versionssprünge sehr zeitaufwändig und führten – wenn zu lange hinausgezögert – zu umfangreichen Upgrade-Projekten bei Kunden.

Dieses kontinuierliche Aktuell-halten von ERP- und CRM-System kennt viele Vorteile. Es wird von Microsoft gesteuert und von den Partnern betreut und technisch mit umgesetzt.

Zentraler Baustein der Umsetzung von CALM ist DevOps, ebenfalls ein Trend der kommenden Jahre. So ist es der Grundgedanke von DevOps, die Bereiche Entwicklung, Systemadministration und Qualitätssicherung enger miteinander zu verzahnen. Dies erhöht die Geschwindigkeit der Entwicklung eines Produktes und der Zeit, bis dies an den Kunden geliefert werden kann enorm.

 

Kunden wiederum müssen sich in diesem Kontext darauf einstellen, dass ERP- und CRM-Updates von dann an regelmäßig übers Jahr verteilt erfolgen – und zwar zu den von Hersteller angegebenen Terminen. In diesem Kontext wird das automatisierte Testen von Prozessen (Automated Regression Testing) ebenfalls immer wichtiger. Diese Tests, die vor dem Evergreen-Gedanken meist manuell und über einen längeren Zeitraum durchgeführt wurden, erfolgen nun zum Großteil automatisiert im Testsystem – und zwar regelmäßig im Vorfeld eines Updates.

Mehr zu DevOps, CALM und dem automatisierten Testen von Prozessen finden Sie in Kürze auch auf unserem Blog.

Warum Sie Ihr ERP-Testsystem nutzen und stets aktuell halten sollten finden Sie hier: https://www.inway.de/inway-systems-blog/posts/8-gruende-warum-sie-ihr-erp-system-aktuell-halten-sollten/
 

8. Ausbau der ERP- und CRM-Lösungen und Automatisierung weiterer Bereiche

ERP- und CRM-Systeme bilden die Kernprozesse Ihres Unternehmens ab. Für die Digitalisierung Ihres Unternehmens und der Automatisierung all Ihrer Prozesse sind sie der entscheidende erste Schritt – aber eben nur der erste. Denn nach einem erfolgreichen Go-Live gibt es noch zahlreiche Möglichkeiten, mit Hilfe spezifischer Add-Ons den eingeschlagenen Pfad der Digitalisierung fortzusetzen und weitere Geschäftsbereiche zu automatisieren oder funktional zu ergänzen.

Auch wir spüren diesen Trend deutlich und setzen verstärkt auf die Entwicklung neuer und der Perfektionierung vorhandener Add-Ons für Microsoft Dynamics 365. So gibt es zahlreiche Add-Ons und Anwendungen, mit denen Sie über die Funktionalitäten Ihres ERP- und CRM-Systems hinaus zahlreiche Bereiche optimieren, teil- oder auch vollautomatisieren.

Ein paar Beispiele:

  • Remote Assist – Anwendung von Microsoft, die Technikern und Ingenieuren mit Hilfe von Augmented Reality bei der standortübergreifenden Zusammenarbeit unterstützt.
  • Product Visualize – Anwendung von Microsoft, die den Vertrieb dabei unterstützt, Produkte (z.B.: neue Maschine) digital in der realen Umgebung eines Kunden (z.B. Produktionsstraße) zu platzieren.
  • Dynamics 365 Layout – Anwendung von Microsoft, die mittels Brille 3D-Modelle in Ihren realen Abmessungen in die physische Welt importiert.
  • Bank Automation Suite - Add-On zur Automatisierung der Finanzbuchhaltung
  • DMS-Connector – Add-On zur Automatisierung des Dokumentenmanagements
  • 365 Connector for DATEV – Add-On zum Vereinfachen des Datenaustausches zwischen ERP-System und Steuerberater


Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Mit der AppSource bietet Microsoft eine stetig wachsende Plattform auf der bewährte Lösungen gesammelt und präsentiert werden. All diese Apps wurden für bestimmte Branchen und Geschäftsanforderungen entwickelt und unterstützen alle Arbeitsbereiche von Microsoft Dynamics 365 – allen voran natürlicher ERP und CRM. Auch unsere Add-Ons kann man über die AppSource von Microsoft beziehen.

 

ERP- und CRM-Trends für 2020: Fazit

Auch 2020 hält für ERP-Verantwortliche und IT-Leiter viele spannende IT-Themen und Trends parat –wie gesehen haben manche davon das Potential zu einem echten Paradigmenwechsel. Und sicherlich gibt es bereits jetzt schon viele neue Themen rund um IT- und Business-Lösungen, die sich aktuell noch unter unserem Radar befinden oder noch in den Kinderschuhen stecken – sich aber möglicherweise bis Jahresende schon als kommender ERP- oder CRM-Trend etablieren werden. Wann immer wir davon erfahren, werden wir es aufgreifen.

Sie konnten kommende Trends rund um IT-Business-Lösungen, ERP und CRM bereits identifiziert und möchten mehr darüber erfahren? Hinterlassen Sie uns gerne eine kurze Nachricht im Kontaktformular und vielleicht werden wir Ihrem Thema schon bald einen eigenen Blogbeitrag widmen. 

 

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