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Dynamics 365 Business Central Vs. Dynamics 365 for Finance and Operations

Seit 2014 – dem Amtsantritt von Satya Nadella als CEO bei Microsoft – ist „Cloud First“ zentraler Eckpunkt in der Unternehmensstrategie. Mit dem ERP-System Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations (ehemals AX) wird Microsoft diesem Motto vollumfänglich gerecht. Es gibt das ERP-System als reine Lösung aus der Cloud. Vier Jahre später, im April 2018, wagt auch das ERP-System Microsoft Dynamics Navision den Sprung in die Cloud. Diese Lösung trägt den Namen „Dynamics 365 Business Central“.

Vom Funktionsumfang bis zum Lizenzmodell: In diesem Blogbeitrag zeigen wir Ihnen die wichtigsten Unterscheide zwischen Finance and Operations und Business Central.

Unterschiedliche Ansätze, unterschiedliche Einsatzgebiete

Business Central (ehemals Navision) und Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations (ehemals AX) sind Microsofts bekannteste ERP-Systeme in Europa. Beide Systeme verfolgen einen unterschiedlichen Ansatz und kommen in unterschiedlichen Unternehmen zum Einsatz.

Business Central: schlankes System mit vielen Add-Ons

Das ERP-System Dynamics Navision war von Anfang als schlanke Lösung angelegt, bei dem Microsoft auf die Add-Ons von Partnern setzt. Während das ERP-System vor allem Basisfunktionen bereithält, entwickelten Partner die notwendigen Zusatzmodule und Branchenlösungen. Fast kein Navision-Kunde kommt heute ohne diese Erweiterungen der Partner aus wie z.B. Auswertungswerkzeuge, Workflowmodule oder Add-Ons für die Finanzbuchhaltung, Produktion oder das Lager.

Von Beginn an haben Microsoftpartner weltweit eine große Anzahl an Add-Ons und Branchenlösungen (zertifiziert und nicht zertifiziert) für Dynamics Navision entwickelt und zur Marktreife gebracht. Die genaue Anzahl an Lösungen und Modulen ist heute kaum mehr zu überblicken.

Da die Cloud Variante von Navision – Dynamics 365 Business Central – erst seit April 2018 verfügbar ist, gibt es noch so gut wie keine Partnerlösungen.

Nach unserer Erfahrung geeignet für:

  • Business Central ist für kleine und mittelständische Unternehmen konzipiert.
  • Business Central ist optimal für Unternehmer mit unter 100 User.

Dies spiegelt sich auch im Lizenzmodell wieder: So liegt die Mindestanzahl hier bei einem Volluser (zum Vergleich: Bei Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations sind es 20 Volluser)

Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations:

Bei Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations setzte Microsoft von Anfang an auf eine moderne Technologie mit objektorientierter Programmierumgebung, Strukturen für Multi-Site, Intercompany-Prozessen und globalen Stammdaten.

Statt einer schlanken Basis, wurden die Anforderungen unterschiedlicher Branchen von Anfang an in den Standard der Business-Lösung integriert. Auch wenn es für Microsoft Dynamics 365 Add-Ons gibt, können Unternehmen dieses ERP-System auch ohne umfangreiche Erweiterungen vollumfänglich nutzen.

Nach unserer Erfahrung geeignet für:

  • Microsoft Dynamics 365 ist beliebig skalierbar und somit für Unternehmen jeder Größe geeignet.
  • Ab 100 User kommen die Stärken von Microsoft Dynamics 365 voll zur Geltung.

Dies spiegelt sich auch im Lizenzmodell wieder: So liegt die Mindestanzahl hier bei 20 Volluser (zum Vergleich: Bei Business Central ist es ein Volluser)

 

Dynamics 365 Vs. Business Central: die wichtigsten Unterschiede

Cloud, On-Prem oder Hybrid: Bei der Einführung eines neuen ERP-Systems oder dem Umstieg steht diese Frage ganz am Anfang.

Hat man sich für ein cloudbasiertes ERP-System von Microsoft entschieden, bleiben mit Business Central und Dynamics 365 for Finance and Operations zwei Lösungen für den europäischen Raum.

Warum cloudbasierte ERP-/ Business-Lösungen sicherer sind wie On-Prem-Varianten, lesen Sie in diesem Blogbeitrag: Warum Business-Lösungen aus der Cloud sicherer sind.

1. Abdeckung aller Geschäftsprozesse und Add-Ons

Business Central hat weniger Funktionen wie Finance and Operations. Es ist somit das schlankere und in gewisser Weise auch das einfachere ERP-System. Der Vorteil: Jeder Kunde kauft nur die Zusatzmodule, die er benötigt. Hieraus resultieren jedoch zwei Schwierigkeiten:

  • Nicht selten stammen die Module, die ein Unternehmen einsetzen möchte, von unterschiedlichen Microsoft-Partnern. Diese sind nicht immer aufeinander abgestimmt.  Anders als die Cloud-Plattform Azure bei Finance & Operations gibt es bei Business Central hierfür noch keine Technologie.
  • Business Central ist auf Branchenlösungen und Add-Ons von Microsoft Partnern angewiesen. Während das Basis-System seit April 2018 aus der Cloud zu beziehen ist, müssen sämtliche Partner ihre Erweiterungen und Zusatzmodule noch in die Cloud bringen. Auf diese Roadmap hat Microsoft nur sehr geringen Einfluss und Stand heute (Januar 2019) ist hier noch nicht viel passiert.

Wer Business Central einsetzt, wird also noch länger abwarten müssen, bis er all seine Geschäftsprozesse cloudbasiert in seinem ERP-System abdecken kann.

Bei Dynamics 365 baut alles auf der Cloud-Plattform Azure auf. Partnerlösungen, die z.B. über die Microsoft Appsource erhältlich sind, werden von Microsoft getestet und qualifiziert. Somit ist weitgehend sichergestellt, dass auch Partnerlösungen untereinander und mit Microsoft Dynamics 365 harmonieren. Dies gilt sowohl für Finance & Operations als auch für Business Central.

2. Möglichkeiten Wachstum abzubilden
Business Central liegt zwar in mehreren Sprachen vor, es muss pro Land jedoch stets eine landesspezifische Instanz gebucht werden. Lediglich DACH ist in einem Lösungspaket vereint.

Anders bei Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations: Das ERP-System beinhaltet im Standard bereits 42 Sprachen, für 30 Länder spezifische Informationen und Hilfeinhalte sowie 32 Lokalisierungen und rechtliche Versionen.(Stand Januar 2019)

Diese werden innerhalb einer einzigen Applikation und Instanz abgebildet.

Unternehmen, die (international) auf Wachstumskurs sind, können Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations immer weiternutzen. Die technische Basis ist hier ausgefeilter und die Voraussetzungen somit bereits geschaffen. Bei Business Central führt jeder Wachstumsschritt u.U. dazu, dass zusätzliche Apps (z.B. ein Add-On Intercompany eines Partners) installiert werden müssen.

3. Der Funktionsumfang

Business Central ist das kostengünstigere ERP-System. Dafür ist der Funktionsumfang im Standard geringer.

Anbei ein Überblick an Funktionen, die im Standard in Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations enthalten sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. In Business Central müssen diese erst erworben werden:

  • Aktive Verkaufsunterstützung durch Callcenter-Funktionalität (Vollwertiges CRM)
  • Lagerverwaltung (LVS) mit integrierter mobiler Lösung
  • Produkt-Konfigurator
  • Retail-Funktionalität (Online und stationär mit Kasse und modern POS)
  • Personalverwaltung mit Personalzeiterfassung
  • Projektabwicklung mit Projektzeiterfassung
  • BI-Funktionalität
  • Varianten
  • Workflows
  • Retail/Kassen, wenn benötigt
  • MultiChannel Unterstützung für div. Vertriebswege (Webshops, POS, Versand, …)

Demgegenüber verfügt Business Central über eine praktische Outlook-Integration, die bei Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations so nicht vorhanden ist.

 

Dynamics 365 Business Central Vs Dynamics 365 for Finance and Operations Vergleich Funktionsumfang

Vergleich: Funktionsumfang Dynamics 365 for Finance and Operations und Business Central (zum Vergrößern klicken)

 

4. Intercompany-Prozesse
Business Central hilft bei der Erstellung und dem Austausch von kaufmännischen Belegen (z.B. bei Kundenbestellungen) – auch über mehrere Standorte eines Unternehmens hinweg. Ein weitergehender Workflow, der nach einer Kundenbestellung beispielsweise Logistik-Prozesse und das Disponieren (und ggfs. Kommissionieren) der Ware an anderen Standorten auslöst, ist jedoch nur bei Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations möglich.

5. Stammdatenpflege
In Business Central ist eine globale Stammdatenverwaltung nicht vorgesehen – zumindest nicht ohne Partnerlösung. Hier befinden sich die Stammdaten in jedem einzelnen Mandanten. Diese Redundanz führt dazu, dass einfache Änderungen (z.B. Informationen in Kontaktdaten) einen hohen Synchronisierungs-Aufwand mit sich bringen. Da das Synchronisieren manuell veranlasst werden muss, ist dies zudem fehleranfällig.

In Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations werden die globalen Stammdaten wie Adressen, Debitoren, Kreditoren, Artikel- und Lagerstücklisten etc. zentral verwaltet und pro Mandant um spezifische Angaben ergänzt. Änderungen an einer Stelle führen ggf. zu Änderungen im gesamten System.

6. Programmiersprache und Programmierumgebung

Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations basiert auf einer moderneren Programmiersprache X++ und der Entwicklungsumgebung Visual Studio. X++ ist voll objektorientiert. Weiterhin besitzt FO ein Repository, welches Datentypen und Datenmodell hält. Somit können Änderungen an zentraler Stelle durchgeführt werden. Beispiel: Die Artikelnummer ist standardmäßig 20 Zeichen lang. Die Anforderung diese auf über 20 Zeichen zu vergrößern wird einfach am Datentyp Artikelnummer durchgeführt. Die Änderung schlägt dann auf alle Stellen am System durch an denen der Datentyp verwendet wird.

Business Central ist nicht objektorientiert. Hier müssen ähnliche Anpassungen immer an mehreren Stellen bedacht werden.

7. Lizenzmodell
Das grundsätzliche Lizenzmodell von Business Central ist zweistufig. Es gibt „Basis“ und „Erweitert“.
Hinzu kommt in der Regel aber noch eine Vielzahl aller notwendigen Add-Ons, um die man beim Einsatz von Business Central nicht herumkommt.

In Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations sind alle Funktionen – sogar die ausgeprägten Branchenfunktionalitäten (Lager, Data-Warehouse, Produktion, Retail u.v.m.) – in einer Lizenz enthalten. Dies macht das Preismodell insgesamt übersichtlicher. Weitere Informationen über das Lizenzmodell von Microsoft Dynamics 365 finden Sie in unserem Blogbeitrag Pricing and Licensing von Microsoft Dynamics 365.

Dynamics 365 Business Central Vs Dynamics 365 for Finance and Operations Lizenzmodell

 

Ausblick und Fazit

Business Central für „kleine Unternehmen“ mit wenig User, Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations für große Unternehmen mit vielen Usern: So einfach ist die Zuteilung leider nicht. Oftmals ist es nicht eine Frage der Größe der Unternehmen, sondern es geht um die Anforderungen. Gerade wenn es um Firmengruppen, Intercompany und Internationalität geht, bietet Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations auch kleinen Firmen die Funktionalität, die notwendig ist.

Doch egal ob man die Business-Lösungen unter technischen, funktionalen oder strategischen Gesichtspunkten miteinander vergleicht: Aktuell hat Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations hier die Nase vorne. Denn noch stehen bei Business Central nicht alle notwendigen Add-Ons der Partner zur Verfügung.
 
Und auch ein Vergleich der Roadmaps beider Systeme bei Microsoft direkt zeigt:
Während bei Finance and Operations in diesem Jahr (2019) an einer Vielzahl von Verbesserungen und neuen Funktionen gearbeitet wird, stehen bei Business Central eher Standardfunktionen auf der Agenda, die in Finance and Operations bereits verwirklicht sind.

Zur Roadmap Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations:
https://dynamics.microsoft.com/de-de/roadmap/finance-and-operations/

Zur Roadmap von Business Central
https://dynamics.microsoft.com/de-de/roadmap/business-central/

Finance and Operations im Look & Feel

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